Pflegebedürftige bekommen nur noch schwer Heimplätze

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Studie: Versorgungssicherheit in der Pflege nicht gewährleistet - Umfrageergebnisse

Stuttgart, 10.07.2019. Für viele Pflegebedürftige in Baden-Württemberg wird es immer schwieriger, einen stationären Pflegeplatz zu bekommen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Liga der freien Wohlfahrtspflege unter den Trägern der Stationären Alten-hilfe. Demnach müssen die Heime durchschnittlich 80 Prozent aller Anfragen nach einem Dauerpflegeplatz oder nach Kurzzeitpflege ablehnen.

Nach Angaben der Liga haben sich 535 Einrichtungen an der Umfrage beteiligt. In einem Zeitraum von fünf Tagen sollten die Teilnehmer angeben, wie viele Anfragen für einen Dauer- oder Kurzzeitpflegeplatz abgelehnt werden mussten. Anhand der Rückmeldungen ergab sich, dass rund 82% der Anfragen für einen Dauerpflegeplatz und rund 77% der Anfragen für einen Kurzzeitpflegeplatz von den Einrichtungen nicht bedient werden konnten. Auf-grund dieser Werte schätzen 83% der teilnehmenden Einrichtungen die Situation im Bereich der Kurzzeitpflege als schlecht ein. Nur 8% aller Befragten würden die aktuelle Versorgung zumindest als ausreichend bewerten.

„Das Ergebnis ist vor allem aus Sicht der betroffenen Menschen inakzeptabel“, so Ursel Wolfgramm, die Vorstandsvorsitzende der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg. „Pflegebedürftige und ihre Angehörigen suchen verzweifelt nach Plätzen. Ins-besondere in der Kurzzeitpflege ist die Not groß, da hier oft kurzfristig aufgrund von Krankenhausentlassung oder häuslicher Krisensituationen ein übergangsweiser Versorgungsbedarf gegeben ist“, so Wolfgramm weiter. Eine wohnortnahe Versorgung, wie sie seit vielen Jahren als Ziel der Landespolitik verfolgt wird, sei in vielen Regionen nicht mehr gesichert. Die Versorgungslage sei prekär. So müssten Angehörige häufig auf andere Landkreise oder noch weitere Entfernungen ausweichen, um einen Platz zu finden.

Die Verbände bezeichnen das Umfrageergebnis als Versorgungsnotstand. Ursache seien ins-besondere der Mangel an Fachpersonal und die Auswirkung der Landesheimbauverordnung. Die vom Land Baden-Württemberg vorgegebene Einzelzimmerquote habe zu einem Verlust von mehr als 3.000 Plätzen geführt. Gleichzeitig werde es für Betreiber zunehmend schwierig, ausreichend Personal zu beschäftigen, so die Liga. Wohnbereiche könnten nicht mehr voll belegt werden, da das nötige Personal fehle und damit die gesetzlichen Vorgaben, wie z.B. vereinbarte Personalschlüssel oder die Fachkraftquote, nicht mehr eingehalten werden könnten.

Nach Ansicht der Ligaverbände sind die geltenden Rahmenbedingungen im Leistungs- und Ordnungsrecht für die Kurzzeitpflege und Langzeitpflege dringend weiter zu entwickeln. Darüber hinaus brauche es aber auch kurzfristige und konkrete Maßnahmen, um regionalen Versorgungsdefiziten zu begegnen. Hier sieht die Liga neben dem Land auch die Kommunen in der Pflicht. Diese könnten beispielsweise Grundstücke oder Gebäude zur Verfügung stellen, um neue Plätze für pflegebedürftige Menschen zu schaffen.

Die Studie beruht auf einer Umfrage der Verbände der Liga der freien Wohlfahrtspflege Baden-Württemberg bei Anbietern von stationärer Pflege und Kurzzeitpflege. Der Umfrage an-geschlossen haben sich die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft und der bpa Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste.

Die Umfrageergebnisse im Detail sind abrufbar bei der Geschäftsstelle der Liga der Freien Wohlfahrtspflege. www.liga-bw.de. Sie sind zusätzlich dieser Meldung beigefügt. Die "Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V." ist eine gemeinsame Arbeitsplattform der elf Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege.

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