Liga-Stichtagserhebung 2019

Drucken E-Mail
Frauen und Männer in sozialer Ausgrenzung und Wohnungsnot – Erhebung im Hilfesystem nach §§ 67ff. SGB XII in Baden-Württemberg

Die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg hat zum 28. Mal in den Einrichtungen und Diensten der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege die Anzahl der betreuten Personen in den Hilfen nach §§ 67ff. SGB XII erhoben. Insgesamt 12.270 hilfesuchende Menschen wurden am Stichtag 27. September 2019 von 342 kommunalen und freien Einrichtungen der Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe beraten und unterstützt, davon 26,4 Prozent Frauen. Damit ist der Hilfebedarf erneut um 123 Personen gegenüber dem Vorjahr angestiegen.

Diese Menschen haben einen Rechtsanspruch auf diese Unterstützung, welcher sich aus §§ 67 ff. SGB XII, Hilfen für Menschen in besonderen Lebenslagen, ergibt – und auch nur diese Menschen werden von uns gezählt.

Wir sprechen von Menschen in sozialer Ausgrenzung und Wohnungsnot, da dies sehr gut die Lage wiedergibt, in der sich die Personen befinden.

Nach wie vor macht die Gruppe der 25- bis 49-Jährigen mit rund 48 Prozent den größten Anteil der Hilfesuchenden aus. Jedoch ist seit Jahren zu beobachten, dass die Altersgruppe der über 50-Jährigen sich bei ca. 40 Prozent stabilisiert.

Während die weit überwiegenden Teile der Hilfesuchenden Deutsche ohne Migrationshintergrund sind (rund 62 Pro-zent), liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund und anderer Staatsangehörigkeit mit rund 37 Prozent über dem gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt. Dieser Personenkreis ist also häufiger von Wohnungslosigkeit betroffen als der Rest der Gesellschaft.

Die Verteilung der Hilfesuchenden zwischen den Stadt- und Landkreisen hat sich gegenüber 2018 verändert.

Zum zweiten Mal seit 2012 wurden in den 36 Landkreisen gegenüber den neun Stadtkreisen wieder mehr Personen gezählt. Dass sich insgesamt eine beinahe paritätische Verteilung der Hilfesuchenden in Stadt und Land zeigt, ist für uns ein Indiz, dass sich die weiterhin angespannten Wohnungsmärkte erstens bei weitem nicht auf die urbanen Ballungsräume begrenzen und zweitens die Situation der Betroffenen weiter verschärfen. Unabhängig vom Aufenthaltsort muss der Zugang zu schneller unbürokratischer Hilfe ermöglicht werden.

Wie bereits in den letzten Jahren zeigen diese Entwicklungen auch in 2019, dass die Ergebnisse der Stichtagserhebung anschlussfähig an die landesweite Wohnungsnotfallstatistik aus 2014 sind, die vom Sozialministerium bei der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung e.V. (GISS) in Auftrag gegeben wurde.

Die Liga unterstützt weiterhin aktiv die Umsetzung der Handlungsempfehlungen der sogenannten GISS-Studie. Hier arbeiten seit 2014 die Liga der freien Wohlfahrtspflege zusammen mit den kommunalen Spitzenverbänden und dem Sozialministerium daran, ein Fachkonzept zur Weiterentwicklung der Hilfe in Baden-Württemberg zu entwickeln.

Nun liegen erste Ergebnisse dieser Arbeit der Landesarbeitsgemeinschaft öffentliche und freie Wohlfahrtspflege (LAGÖFW) vor1. Zu den Hilfebereichen der ordnungsrechtlichen Unterbringung sowie Prävention stehen Handlungsempfehlungen zur Verfügung, die zwischen Vertretern der Leistungsträger, Leistungserbringer und dem Sozialministerium ge-eint sind. Die Liga sieht in dieser Zusammenarbeit einen entscheidenden Schlüssel zur Weiterentwicklung der Hilfen im Südwesten. Die nun vorliegenden Ergebnisse sind Impulse für die Weiterentwicklung der Hilfe vor Ort und in der Fläche des Landes.

In diesem Arbeitsprozess wurde auch ein Konzept für eine regelmäßige landesweite Wohnungsnotfallstatistik entwickelt. Diese landesweite Erhebung erfasst dann neben den Hilfen nach §§ 67 f SGB XII auch die des Ordnungsrechts, wie bereits in der GISS-Studie erfolgt. Angesichts der laufenden Diskussionen im Bund zur Schaffung einer bundesweiten Statistik, wird dieses Konzept gegenwärtig noch nicht im Land umgesetzt. Wir begrüßen die Einführung einer bundesweiten Wohnungslosenberichterstattung sowie einer Statistik untergebrachter wohnungsloser Personen – erstmals zum 31.01.2022. Wir weisen aber auch darauf hin, dass diese zu schaffende Bundessstatistik keinesfalls hinter den bestehenden Erkenntnissen zurückbleiben darf.

Heiner Heizmann, Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses
Arbeit und Existenzsicherung
Sabine Oswald, Der Paritätische Baden-Württemberg, stellvertretende Vorsitzende des Unterausschusses Straffälligen- und Wohnungslosenhilfe


DOWNLOAD LIGA STATEMENT ZUR PRESSEKONFERENZ 14. Februar 2020

DOWNLOAD LIGA STATEMENT - POLITISCHE FORDERUNGEN

DOWNLOAD LIGA - STICHTAGSERHEBUNG 2019

ARTIKEL SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: Sozialverbände beklagen Not der Wohnungslosen

Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V.

Stauffenbergstraße 3
70173 Stuttgart
Tel  0711 / 619 67 - 0
Fax 0711 / 619 67 - 67