Statement Wohnungslosenhilfe zur Pressekonferenz zur Liga Stichtagserhebung 2018

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Pressekonferenz zur Liga-Stichtagserhebung 2018:
Frauen und Männer in sozialer Ausgrenzung und Wohnungsnot – Erhebung im Hilfesystem nach §§ 67ff. SGB XII in Baden-Württemberg


Die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg hat zum 27. Mal in den Einrichtungen und Diensten der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege die Anzahl der betreuten Personen in den Hilfen nach §§ 67ff. SGB XII erhoben. Insgesamt 12.147 hilfesuchende Menschen wurden am Stichtag 28. September 2018 von 331 kommuna-len und freien Einrichtungen der Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe beraten und unterstützt, davon 27 Prozent Frauen. Damit ist der Hilfebedarf mit einem Plus von 359 Personen gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Diese Menschen haben einen Rechtsanspruch auf diese Unterstützung, welcher sich aus §§ 67 ff. SGB XII, Hilfen für Menschen in besonderen Lebenslagen, ergibt – und auch nur diese Menschen werden von uns gezählt.
Wir sprechen von Menschen in sozialer Ausgrenzung und Wohnungsnot, da dies sehr gut die Lage wiedergibt, in der sich die Personen befinden.

Nach wie vor macht die Gruppe der 25- bis 49-Jährigen mit rund 49 Prozent den größ-ten Anteil der Hilfesuchenden aus. Jedoch ist seit Jahren zu beobachten, dass die Al-tersgruppe der über 50-Jährigen sich bei ca. 40 Prozent stabilisiert.

Während die weit überwiegenden Teile der Hilfesuchenden Deutsche ohne Migrations-hintergrund sind (rund 60 Prozent), liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshin-tergrund und anderer Staatsangehörigkeit mit rund 37 Prozent über dem gesamtge-sellschaftlichen Durchschnitt. Dieser Personenkreis ist also häufiger von Wohnungslo-sigkeit betroffen als der Rest der Gesellschaft.

Die Verteilung der Hilfesuchenden zwischen den Stadt- und Landkreisen hat sich ge-genüber 2017 verändert. Zum ersten Mal seit 2012 wurden in den 36 Landkreisen ge-genüber den neun Stadtkreisen wieder mehr Personen gezählt. Dass sich insgesamt eine beinahe paritätische Verteilung der Hilfesuchenden in Stadt und Land zeigt, ist für uns ein Indiz, dass sich die weiterhin angespannten Wohnungsmärkte erstens bei wei-tem nicht auf die urbanen Ballungsräume begrenzen und zweitens die Situation der Betroffenen weiter verschärfen. Unabhängig vom Aufenthaltsort muss der Zugang zu schneller unbürokratischer Hilfe ermöglicht werden.

Wie bereits in den letzten Jahren zeigen diese Entwicklungen auch in 2018, dass die Ergebnisse der Stichtagserhebung anschlussfähig an die landesweite Wohnungs-notfallstatistik aus 2014 sind, die vom Sozialministerium bei der Gesellschaft für inno-vative Sozialforschung und Sozialplanung e.V. (GISS) in Auftrag gegeben wurde.

Die Liga unterstützt weiterhin aktiv die Umsetzung der Handlungsempfehlungen der sogenannten GISS-Studie. Hier arbeiten seit 2014 die Liga der freien Wohlfahrtspflege zusammen mit den kommunalen Spitzenverbänden und dem Sozialministerium daran, ein Fachkonzept zur Weiterentwicklung der Hilfe in Baden-Württemberg zu entwickeln.

Nun liegen erste Ergebnisse dieser Arbeit der Landesarbeitsgemeinschaft öffentliche und freie Wohlfahrtspflege (LAGÖFW) vor [1]. Zu den Hilfebereichen der ordnungsrechtlichen Unterbringung sowie Prävention stehen Handlungsempfehlungen zur Verfügung, die zwischen Vertretern der Leistungsträger, Leistungserbringer und dem Sozialministerium geeint sind. Die Liga sieht in dieser Zusammenarbeit einen entscheidenden Schlüssel zur Weiterentwicklung der Hilfen im Südwesten. Die nun vorliegenden Er-gebnisse sind Impulse für die Weiterentwicklung der Hilfe vor Ort und in der Fläche des Landes.

In diesem Arbeitsprozess wurde auch ein Konzept für eine regelmäßige landesweite Wohnungsnotfallstatistik entwickelt. Diese landesweite Erhebung erfasst dann neben den Hilfen nach §§ 67 f SGB XII auch die des Ordnungsrechts, wie bereits in der GISS-Studie erfolgt. Angesichts der laufenden Diskussionen im Bund zur Schaffung einer bundesweiten Statistik, wird dieses Konzept gegenwärtig noch nicht im Land umgesetzt. Sofern jedoch eine Bundesstatistik bis 2020 nicht beschlossen bzw. umgesetzt sein sollte, ist deren Umsetzung in BW noch in dieser Legislaturperiode zu erwarten.

Heiner Heizmann, Caritasverband der Diözese Rottenburg Stuttgart,
stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses Arbeit und Existenzsicherung

Sabine Oswald, Der Paritätische Baden-Württemberg,
stellvertretende Vorsitzende des Unterausschusses Straffälligen- und Wohnungslosenhilfe

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[1] Hier finden Sie die Ergebnisse der AG AG Fachkonzept der LAGÖFW: https://www.kvjs.de/soziales/wohnungslose/konzepte/ (zuletzt abgerufen 20.02.2019).

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